Thoracic outlet syndrome

Das Wichtigste im Überblick

  • Das thoracic outlet syndrome bezeichnet eine Kompression des Plexus brachialis.
  • Es werden 3 Kompressionssyndrome unterschieden:
    • Skalenussyndrom
    • Kostoklavikuläres Kompressionssyndrom
    • Pectoralis-minor-Syndrom
  • Mögliche Symptome sind:
    • Schmerzen im Arm (bis Finger)
    • Kribbeln
    • Kraftlosigkeit
    • Hand fühlt sich geschwollen an
    • Bewegung der Hand tut gut 
  • Ursache: Nerven werden im Bereich der Schulter eingeengt.
  • Therapie:
    • Lösung von Verspannungen
    • Schulter und Schlüsselbein mobilisieren
    • Nervenbeweglichkeit fördern

Übersicht der Themen:

  1. Was ist ein Thoracic outlet syndrome überhaupt? Begriffsdefinition!
  2. Wie wirkt sich das Thoracic outlet syndrome aus? Mögliche Symptome!
  3. Unterscheidung von
    1. Skalenussyndrom
    2. Kostoklavikuläres Syndrom
    3. Pectoralis-minor-Syndrom
  4. Wie entstehen Thoracic outlet syndrome? Mögliche Ursachen!
  5. Was kannst du gegen ein Thoracic outlet syndrome machen? Therapiearten & Übungen!

1. Was ist ein Thoracic outlet syndrome?

Das Thoracic outlet syndrome (Abkürzung TOS) wird im Deutschen auch Kompressionssyndrom der oberen Thoraxapertur genannt. Gemeint ist hiermit eine Einengung des Gefäß-Nerven-Stranges (Plexus brachialis) im Bereich des Schultergürtels. 

Der Nervenstrang, sowie auch Venen und Arterien, treten in der Halswirbelsäule aus dem Wirbelkanal aus. Um mit seinen Nerven den Arm versorgen zu können, muss der Nerv zwischen den Muskeln vorne am Hals und am Schultergürtel hindurch. Sind die Muskeln zu angespannt oder der Schultergürtel schlecht beweglich können Nerven, Arterien und Venen des Plexus brachialis eingeklemmt werden. Durch die verminderte Mikrozirkulation entstehen Beschwerden.

2. Wie wirkt sich das Thoracic outlet syndrome aus?
Mögliche Symptome:

Da bei diesem Syndrom die Auslöser Nerven, Arterien und Venen sind, unterscheiden sie sich hinsichtlich der Beschwerden deutlich von anderen Schulterproblematiken wie zum Beispiel dem Schulterimpingement.

Mögliche Symptome sind:

  • Schmerzen in einem oder beiden Armen, manchmal ausstrahlend bis in die Finger und oder den Hinterkopf.
  • Kribbeln.
  • Kraftlosigkeit.
  • Hand fühlt sich geschwollen an.
  • Blässe oder bläuliche Verfärbung der Hand.
  • Bewegung der Hand tut gut, da die Durchblutung verbessert wird.

2. Unterscheidung der verschiedenen Kompressionsstellen

a) Scalenussyndrom

Hier wird der Nervenstrang in der vorderen und hinteren Skalenuslücke  zwischen den Halsmuskeln (M. sternocleidomastoideus und M. scalenus anterior und medius) eineengt.

Auch die Arterie (A. subclavia) oder Vene (V. subclavia) können hier komprimiert werden.

Auslösend für die Kompression sind übermäßig beanspruchte Mm. scalenii bei

  • Überbelastung durch vermehrten Atemhilfsmuskeleinsatz
    • Asthma bronchiale
    • Sportlern
  • statische Überbelastung bei ungünstiger Körperhaltung

Symptome

  • Empfindlichkeit der Kleinfingerseite
  • Kribbeln, besonders auf der Kleinfingerseite der Hand und des Unterarms
  • Blässe der Finger 
  • Drehung des Kopfes oder Atmung können Symptome verstärken

b) Kostoklavikuläres Syndrom

Die Kompressionsstelle liegt hier zwischen der 1. Rippe und dem Schlüsselbein.

Ursächlich für das Kostoklavikuläre Syndrom sind

  • Halsrippe (eine zusätzliche Rippe)
  • sehr großer Querfortsatz des letzten Halswirbels (Megatransversus C7)
  • Kallusbildung nach Schlüsselbeinbruch
    (Kallus beschreibt neugebildetes Knochengewebe nach einem Bruch)
  • Hochstand der 1. Rippe (Blockade oder starker Atemhilfsmuskeleinsatz)

Symptomatik gleicht jener des Scalenussyndroms:

  • Kribbeln und Taubheit im Arm, besonders beim Heben von schweren Gegenständen
  • Absenkung des Schultergürtels verstärkt Symptome
  • die Schwellung der Hand steht hier jedoch im Vordergrund

c) Pectoralis-minor Syndrom

Eine Einengung von Nerven, Venen und Arterien tritt hier zwischen dem Musculus pectoralis minor und den oberen Rippen auf.

Auslösend für dieses Syndrom sind

  • vermehrte Muskelspannung des M. pectoralis minor
  • massive Verkürzung des M. pectoralis minor

Provozierende Tätigkeiten sind

  • lange Überkopfarbeiten
  • Schlafen mit über dem Kopf liegendem Arm
Symptome
  • Einschlafen oder Kribbeln des Armes
    (besonders bei Bewegungen des Armes
     und Tätigkeiten über dem Kopf)
  • Ziehender Schmerz im Arm, besonders auf der Kleinfingerseite

3. Wie entsteht das Thoracic outlet syndrome?

Mögliche Ursachen und begünstigende Faktoren:

Nochmal zusammengefasst aus den 3 verschiedenen Syndromen:
  • Muskuläre Verspannungen im Hals- und Nackenbereich
    • M. scalenii
    • M. pectoralis minor
    • M. sternocleidomasteoideus
  • Durch
    • massiven Atemhilfsmuskeleinsatz (chronische Lungenerkrankungen wie Asthma bronchiale oder bei Sportlern)
    • schlechte Haltung und ungünstiger Körperbau
  • Ungünstige Knochenanlage
    • zusätzliche Rippe (Halsrippe)
    • verlängerter Querfortsatz des letzten Halswirbels (megatransversus C7)
    • übermäßige Knochenneubildung nach Knochenbruch (Kallus)
  •  Hochstand der ersten Rippe, durch
    • Blockierung 
    • starker Atemhilfsmuskeleinsatz
  • Blockaden der oberen Rippen

4. Was kannst du gegen ein Thoracic outlet syndrome machen? Therapiemöglichkeiten & Übungen!

So sieht Physiotherapie bei Thoracic outlet syndrome aus:

Unsere gemeinsamen Ziele in der Physiotherapie sind:

Das kannst du selbst für deine Schulter tun:

Ich hoffe sehr, dass dir der Artikel gefallen hat. Falls du Fragen oder Anmerkungen hast kannst du mir sehr gerne einen Kommentar hinterlassen oder mir eine E-Mail senden. Ich hoffe wir lesen uns bald wieder 😉

This Post Has 2 Comments

  1. N. Pohl

    Sehr geehrte Frau Keindl,

    vielen Dank für die Infos auf Ihrer Seite zum Thema TOS. Bei mir (w, 50 J, sehr sportlich) wurde nach jahrelangen Beschwerden nun ein eindeutiges arterielles TOS diagnostiziert. Meine Beschwerden tagsüber sind noch erträglich, aber nachts verspüre ich heftige Schmerzen (brennen, stechen) im Schultergürtel sowie Einschlafen der Hände, was auch typisch für TOS sein soll. Leider ist die Schlafposition nicht ausschlaggebend. Komme aus D und bin auch in physiotherapeutischer Behandlung, leider ohne grossen Erfolg. Von einer OP wurde mir aufgrund der Risiken und bleibender Schäden abgeraten. Das möchte ich auch unbedingt vermeiden.
    Vielleicht haben Sie ja aufgrund Ihrer Erfahrung mit dem Krankheitsbild noch den ein oder anderen Tipp für mich, wie ich die o. g. Schmerzen in den Griff bekommen könnte.

    Im Voraus vielen Dank für Ihre Hilfe!

    Mit freundlichen Grüßen

    N. Pohl

  2. Hanna Keindl

    Liebe Frau Pohl,

    vielen Dank für Ihren Post. Ihr Leidensdruck tut mir sehr leid.

    Fernhilfe/ Diagnose ist leider etwas schwierig :/
    Ich hätte noch ein paar Fragen an Sie- die Sie mir vl am besten per Email beantworten – damit ich Ihnen so ev. weiterhelfen kann wenn Sie möchten.

    Was arbeiten Sie (arbeiten Sie eher sitzend oder z.B. viel Überkopf?)
    Was machen Sie für einen Sport? und wird Ihre Symptomatik dadurch beeinflusst?

    zu den Beschwerden:
    Sind ihre Schmerzen eher diffus oder genau lokalisiert?
    Wo genau sind die Schmerzen im Schultergürtel?
    Haben ihre Hände/ Finger eine normale Farbe oder sind sie blässlich oder bläulich?
    haben Ihre Hände eine normale Temperatur oder sind sie warm oder kalt?
    Abgesehen vom nächtlichen Einschlafen der Hände: Spüren Sie normal in den Händen oder spüren Sie kribbeln oder Taubheit?
    Sind die ganzen Hände betroffen oder eher nur ein paar Finger? wenn ja welche?
    haben Sie die Beschwerden immer beiderseits oder ist eine Seite (vermehrt) betroffen?
    Sehen Sie gut oder haben Sie Schwindel o.Ä?
    Haben Ihre Hände eine normale Kraft oder fühlen sie sich schwach?

    Wurden anatomische Auffälligkeiten wie eine zusätzliche Rippe festgestellt?
    Hatten Sie in der Halswirbelsäule, Schlüsselbein oder Schulter eine Operation oder einen Unfall?
    (z.B. Autounfall mit Schleudertrauma, Schlüsselbeinbruch, Schulter ausgerenkt,..)
    Welche sonstige Krankheiten haben Sie? Wie haben die sich in den letzten Jahren verändert?
    Hatten Sie plötzlichen unerklärlichen Gewichtsverlust, einen Tumor, Halswirbelsäulen-Beschwerden, Schwindel oder Sprich-/ Schluckstörungen?
    Welche Operation wäre überhaupt in Frage gekommen?

    Haben Sie schon etwas gefunden was Einfluss auf Ihre Beschwerden hat?
    (gibt es z.B. eine Verbesserung durch Entspannung vor dem Schlafen, Massage oder Wärme?
    Kommt es zu einer Verschlechterung bei Überkopfarbeiten oder Schwerem Tragen?
    verändern sich die Beschwerden je nach Arm-/ Schultergürtel/ Kopfposition?
    Ist es für die Symptomatik besser den Schultergürtel hoch zu ziehen oder nach unten zu drücken/ hängen zu lassen?

    Haben Sie irgendwo Verspannungen oder mehr Muskelspannung? hatte dies einen Einfluss auf ihre nächtlichen Beschwerden? (diese Sachen untersuche ich normalerweise)
    Haben Sie eine „gute“ Haltung?

    Was wird bei Ihnen in der Physiotherapie gemacht? Wie oft waren Sie bereits? Wie lang sind die Einheiten?

    Wenn Sie mir auf diese fragen per Email antworten, kann ich Ihnen möglicherweise Tipps zur Behandlung geben, wobei Fernbehandlungen wie gesagt schwierig sind.

    Liebe Grüße
    Hanna Keindl

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